Von Alternativen zum Autoverkehr über Aggressionen gegenüber Polizei und Rettungskräften bis zur höchsten Aktivität der Verkehrswacht

 

Die Jahreshauptversammlungen der Kreisverkehrswacht Neumarkt waren stets gut besucht, doch diesmal sprengte das übergroße Interesse fast die Raumkapazität. Was wohl zuallererst an der Vorstellung des neuartigen Transportsystems der Fa. Bögl liegen dürfte.

 

Vorsitzender Hermann Pfeifer freute sich mit seinem Team zu Recht über die großartige Resonanz. So begrüßte er mit Stefan Bögl den Hauptreferenten des Abends, Hubert Schröder vom Bayerischen Innenministerium, MdEP Albert Deß, MdB Alois Karl, Landrat Willibald Gailler, in Vertretung des Oberbürgermeisters den Verkehrsreferenten im Stadtrat Jakob Bierschneider, den Bezirksvorsitzenden der Oberpfälzer Verkehrswachten Gernot Schötz, Polizeidirektor Michael Danninger und eine Reihe von Fahrlehrern.

 

Das Motto für 2019 und darüber hinaus lautet nach der Prämisse der Verkehrswacht Neumarkt: Miteinander und Füreinander. In steter Wiederholung geißelte Pfeifer das zunehmende Rüpelverhalten von Verkehrsteilnehmern gegenüber Polizei, Rettungskräften, sogar Schulweghelfern und insgesamt Fußgängern wie Radfahrern, wobei letztere sich mehrheitlich an keine Verkehrsregeln zu halten scheinen.

 

Die Gesamtentwicklung sei erschreckend und führe noch zu mehr Unfällen. Eine mögliche Ursache sah Pfeifer in der digitalen gesellschaftlichen Ellbogenentwicklung ohne Rücksicht auf Mitmenschen. Die Unfallstatistik fordere geradezu auf zu entschlossenem Handeln bei und mit gebündelten Kräften. „Der gesamte Straßenverkehr ist eine soziale Veranstaltung,“ so der Vorsitzende und traf damit ins Zentrum.

 

Nicht ohne konkrete Vorschläge für sofort schloss er – mit dem Dank an Sponsoren und alle Kräfte im Engagement für die Erhöhung der Verkehrssicherheit – seinen Rück- und Ausblick: Für die Lammsbräukreuzung forderte er einen Linksabbiegepfeil, eine bessere Regelung bei der Ausfahrt aus dem Neuen Markt in die Dammstraße, breitere Radwege, leistungsfähigere und weit mehr Ladestationen für E-Autos, schräge Parkplätze in der Innenstadt u. a.

 

Wofür Beifall aufbrandete!

 

Geschäftsführerin Petra Traboulsi zeigte in ihrem Leistungsbericht 2018 eine wahre Flut an Aktionen (hier Ausschnitte) auf, von denen sie selbst einen großen Teil bestritt: Projekte Schulwegsicherheit, Elternabende, 19 Veranstaltungen in Kitas mit 468 Kindern zur Thematik „Kinder im Straßenverkehr“. Herbert Nedo klärte bei 6 Aktionen zum“ Toten Winkel“ mit 1500 Teilnehmern auf. Erheblich zum sichereren Verhalten trugen die Sicherheitstrainings für Biker und PKW – Fahrer bei.

 

Die einwandfreie Kassenführung durch Sabrin Traboulsi war Voraussetzung für die einstimmige Entlastung der Vorstandschaft.

 

Jakob Bierschneider und alle weiteren Ehrengäste würdigten die überaus wertvolle Arbeit der Kreisverkehrswacht. Vor allem die Tatsache der brauchbaren, konkreten Alternativen bei berechtigter Kritik verdienten Lob.

 

Hubert Schröder, EPHK im Innenministerium freute sich sichtlich über die Erfolge in Neumarkt, bestärkte sie mit der Zusicherung der Unterstützung und regte mit seinen Zahlen zur Unfallstatistik, die negativ nach oben zeigte in weiten Teilen, zur Nachdenklichkeit an: „Statistik ist kalt, aber die Einzelsituation des Unfalls ist eine Tragödie, wenn etwa das Kind abends nicht mehr nach Hause kommt.“

 

Zum neuen Transportsystem der Fa. Bögl bezog Stefan Bögl ausführlich Stellung. Ziel sei es u. a., die entwickelte Magnetschwebebahn von Neumarkt in die Welt zu exportieren. Sie sei auf Grund der Schwebetechnik leise, zuverlässig, Platz sparend, emissionsarm und könne 20 000 bis 30 000 Personen pro Stunde befördern bei ca. 150 km/h Höchstleistung und einer Taktzeit von 80 Sekunden.

 

Geboren wurde die Idee aus der Realsituation heraus, da der Raum auf den Straßen bald nicht mehr ausreiche, die täglichen Staus Frust und Unfälle geradezu provozierten, die Bevölkerung zunehme bis ca. 6,3 Mrd bis zum Jahr 2050. Die Versuchsstrecke in Sengenthal sei aktuell 800 m lang. Inzwischen habe die Bahn dort 75 000 km ohne Probleme zurückgelegt. Ende 2019 werde die Zulassung für Deutschland erwartet.

 

In China wolle Bögl eine erste Strecke mit 3,5 km aufbauen. Ein Teil des Materials befinde sich schon dort mittels Schienentransport über Kasachstan bis Chengdu. Interessantes Detail: In China passten mehr Fahrgäste in die Bahn, weil das Durchschnittsgewicht eines Passagiers mit 60 kg angesetzt sei. Bedeutet, auf einem Quadratmeter stehen 9 statt 6 Personen.

 

Der große Beifall der Anwesenden bestätigte die hohe Akzeptanz des Unternehmens in doppeltem Sinne. Pfeifer dankte für das Angebot von Bögl, einmal mitfahren zu dürfen.

 

 

Siegfried Wohlmann